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carzapp öffnet die Türen von Autos. Ganz legal. Mit einem elektronischen Schlüssel

Foto: carzapp GmbH

Treffen sich zwei junge Typen bei einer Uni-Veranstaltung … So könnte die Geschichte über einen feuchtfröhlichen Abend beginnen. Doch Fehlanzeige. So beginnen große Geschichten – und vielleicht sogar Revolutionen. Die beiden jungen Männer heißen Oliver Lünstedt und Sahil Sachdeva. Getroffen haben sie sich auf dem Venture Campus an der TU Berlin, einem Projekt der TU-Gründungsinitiative. Wenig später wird aus einer Idee Realität, die beiden gründen das StartUp-Unternehmen carzapp.

Mit ihrer Idee könnten die Unternehmer den Gedanken des Carsharings von Grund auf verändern. Denn in Zukunft verleihen nicht mehr nur professionelle Anbieter oder Autobauer ihre Fahrzeuge, sondern Privatpersonen. „Unser Anliegen war es, nicht noch mehr Autos auf die Straße zu bringen. Sondern jene zu nutzen, die ohnehin schon da sind, aber nur selten von ihren Besitzern gefahren werden“, erklärt Lünstedt. Mit einem Sharing-Auto können bis zu zehn private Neuwagen ersetzt werden.

Wittelsbacherstraße 18. Ein ruhiges und gediegenes, fast bieder wirkendes Haus. Kein Ort, an dem man ein junges StartUp-Unternehmen vermuten würde. Die Eingangstür geht auf und gibt den Blick frei auf einen weitläufigen Eingangsbereich, weiße Wände, Parkettfußboden. Im Konferenzzimmer steht ein riesiger Tisch und ebenso riesige Bilder hängen an der Wand. Oliver Lünstedt erklärt, fast ein bisschen entschuldigend: „Wir teilen uns die Räume mit drei anderen StartUp-Unternehmen.“ Unter anderem mit einem Versicherungsmakler, der Versicherungen für Autos vermittelt. Mit diesem kooperiert das Unternehmen – und kann so Versicherungen anbieten, die speziell auf die Anforderungen des privaten Carsharings angepasst sind.

Die kleine Revolution beginnt mit einem unscheinbaren Kästchen – dem sogenannten ZappKit. Es ist die Hardware, die im Auto installiert wird. Das ZappKit enthält ein Mobilfunkmodul sowie ein GPS-Gerät. Über eine App lassen sich die Türen entriegeln und wieder verschließen. „ZappKit funktioniert bei mehr als 90 Prozent aller Fahrzeuge“, erklärt Oliver Lünstedt. Wichtige Voraussetzung ist aber, dass das Fahrzeug eine Zentralverriegelung hat. Damit sich Mieter und Vermieter nicht immer zur Schlüsselübergabe treffen müssen, wird ein Zweitschlüssel im Auto hinterlegt. „Zur Sicherheit ist im ZappKit außerdem noch eine Diebstahlsicherung eingebaut“, erklärt der 28-Jährige. Ende dieses Jahres startet das Unternehmen die sogenannte Beta-Phase. In rund 50 Fahrzeugen wird das ZappKit dann probeweise installiert. Den Mietpreis kann der Vermieter innerhalb gewisser Grenzen selber festlegen. Oliver Lünstedt rechnet für einen Mittelklassewagen mit etwa vier Euro pro Stunde plus Kilometerpauschale – inklusive Versicherung und Provision.

carzapp will aber noch einen Schritt weitergehen. Seit Oktober 2011 ist das Unternehmen Teil des „Schaufensters Elektromobilität Berlin-Brandenburg“. Zusammen mit den Unternehmen Renault, Peugeot, Vodafone, E.ON, DLR und Capgemini wird derzeit an einem der Kernprojekte des Schaufensters gearbeitet. Das Ziel: Carsharing und Elektromobilität zusammen zu bringen. Für drei Jahre kann man sich dann zum Beispiel kostengünstig ein Elektrofahrzeug leasen – und in dieser Zeit privat vermieten.

Stefanie Paul
Kluge Köpfe 2012