Eine Spitzenausgründung mit Hertz

Das Fraunhofer Heinrich Hertz Institut hat der u2t Photonics AG viel ermöglicht – unter anderem einen Absprung mit Sicherheitsnetz

100 Gbit/s kohärenter Photoempfänger Foto: u²t Photonics AG

Vor 15 Jahren sind ihre Nachnamen noch nicht zu der Formel verschmolzen, die heute ihre Firma ist: u2t Photonics AG. Damals stehen Andreas Umbach, Günter Unterbörsch und Dirk Trommer noch im Labor des Fraunhofer Heinrich Hertz Instituts (HHI) und konstruieren optische Bauelemente. Es ist die Zeit, in der das HHI mit dem Verlust großer Forschungskunden zu kämpfen hat und deshalb Ausgründungen stark fördert – Spitzenausgründungen wie die von Andreas Umbach. „Man hat uns ein Sicherheitsnetz gesponnen, so dass wir den Sprung ins kalte Wasser wagen konnten“, sagt der Physiker.

Während Start-ups üblicherweise erst Gelder akquirieren müssen, bevor sie loslegen können, konnten sich Umbach und seine Kollegen gleich in die Arbeit stürzen: Das HHI stellte seine Labors gegen eine Gebühr bereit, schloss mit u2t Photonics einen exklusiven Lizenzvertrag und gab Umbach und seinen Kollegen die Garantie, in die Wissenschaft zurückkehren zu dürfen, falls es mit der Ausgründung nicht klappen sollte. Es klappte: Heute ist Umbach Chef von etwa 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und steht an der Spitze eines erfolgreichen Unternehmens – mit einer Tochterfirma in England.

u2t Photonics ist in einer Branche aktiv, von der die meisten nur die Angebote an der Oberfläche kennen: Google, Facebook und Konsorten. Je weiter man die Wertschöpfungskette im Bereich der schnellen Datenübertragung entlang schreitet, desto unsichtbarer werden die Firmen. „Unsere Sichtbarkeit ist extrem gering, aber die Bedeutung dieser relativ kleinen Industrie für die Gesellschaft ist enorm“, sagt Umbach, der sich auf die Herstellung von sehr schnellen Photoempfängern spezialisiert hat, ohne die ein Youtube-Video nicht seinen Weg durch die Glasfasernetze unter dem Atlantik finden würde.

Mittlerweile ist u2t Photonics längst auf dem globalen Markt zu Hause, der Exportanteil der Berliner Firma liegt bei über 90 Prozent. Das Sicherheitsnetz des HHI braucht das Unternehmen, das 1998 gegründet worden ist, heute nicht mehr. Die Kooperation aber besteht fort. „Das HHI war ein guter Hebel. Wir forschen immer noch gemeinsam und nutzen die dortige Fertigungsstrecke auch weiterhin für unsere Halbleiterproduktion“, sagt Umbach. Auch wenn er heute kaum noch im Labor steht, bedauert er den Wechsel vom Wissenschaftler zum Entrepreneur nicht: „Ich kann nach wie vor innovativ arbeiten. Wir schaffen etwas, das uns jemand abkauft und das sich später in vielen Produkten wiederfindet. Das ist immer noch ein tolles Gefühl.“

Susanne Hörr
Kluge Köpfe 2012