Die Unberechenbaren

Philipp Stelzer und Ishay Sommer haben eine neuartige Software für Projektmanagement entwickelt. Sie macht den menschlichen Faktor berechenbar

Ishay Sommer und Philipp Stelzer Foto: Task 36 GmbH

Gute Ideen beginnen meistens mit dem Satz: Das klappt sowieso nicht. Philipp Stelzer und Ishay Sommer kennen das. Auch sie haben diesen Satz gehört. Das Problem sei nicht berechenbar. Nun haben gute Ideen aber oftmals die Eigenschaft, die ewig Zweifelnden eines Besseren zu belehren. Und so haben Philipp Stelzer und Ishay Sommer das Unberechenbare berechenbar gemacht: den menschlichen Faktor. Im vergangenen Jahr gründete das Duo das Unternehmen Task 36. Seit November 2015 ist die zweite Version ihrer neuartigen Projektmanagement-Software „Adaptivplan“ auf dem Markt. Geht nicht, gibt`s eben nicht.

Philipp Stelzer sitzt in einem Besprechungsraum im Gründerzentrum CHIC, er zieht den Laptop näher zu sich heran und zeigt auf den Bildschirm. „Sagen wir einmal, ein Mitarbeiter fällt drei Wochen wegen Krankheit aus. In der Zwischenzeit kommen aber zwei neue Mitarbeiter dazu und dann hat ein Zulieferer auch noch Verzögerung. Welche Auswirkungen hat das auf den Verlauf des Projekts“, fragt der 29-Jährige und klickt verschiedene Buttons auf dem Bildschirm an. Für die Projektleitung wäre dieses Szenario nun so etwas wie der Super-GAU. Das Projekt müsste neu geplant werden. Das kostet Zeit und Energie. Vor allem aber jede Menge Nerven. „Viele Projektleiter fällen ihre Entscheidungen oft nur noch aus dem Bauch heraus. Irgendwann geht der Überblick verloren“, erklärt Stelzer. Vor allem bei Projekten, bei denen große Teams involviert sind und die Entwicklung mehrere Jahre dauert. So wie zum Beispiel in der Medizintechnik.

Nach wenigen Augenblicken verschieben sich die schmalen, blauen Balken auf dem Bildschirm. Die cloudbasierte Software hat alle Berechnungen fertig. Daten, Zeiten, Fristen haben sich verändert und an die neue Situation angepasst. Das unterscheidet die Software von allem, was bisher auf dem Markt ist. Adaptivplan ist kein statisches Tool, sondern unterstützt den Nutzer aktiv, indem es verschiedene Optionen, Vorschläge und Szenarien berechnet und aufzeigt.

Um das alles hinzubekommen, brauchte es einen hochkomplexen Algorithmus. Viele Fachleute hielten das Problem schlichtweg für unberechenbar. Ishay Sommer hat es trotzdem hinbekommen. Bereits als Schüler verkaufte er seiner Schule ein selbst geschriebenes Computerprogramm. Später entwickelte der 36-Jährige für große Unternehmen Abwehrprogramme gegen Hacker-Angriffe.

Während die einen sagten, das klappt nicht, erkannten andere das Potenzial hinter der Idee. Als erstes deutsches Start-up-Unternehmen wurden Stelzer und Sommer ins Massachusetts Institute of Technology (MIT) eingeladen. Vier Monate verbrachten die beiden in den USA, dort gelang auch der sogenannte proof of concept – der Beweis der Berechenbarkeit. Und noch etwas haben die beiden Unternehmer in dieser Zeit gelernt: „Viele Unternehmen scheitern nicht an einer schlechten Idee. Sondern an zwischenmenschlichen Problemen“, sagt Stelzer. Dieses Problem mussten die beiden bisher nicht lösen. Und selbst wenn: Geht nicht, gibt`s nicht.

Stefanie Paul
Kluge Köpfe 2015