Der Goldgräber

Das Unternehmen Mapegy hat eine Analyse- und Visualisierungssoftware entwickelt. Sie sammelt Innovationsdaten für Expert*innen. Denn nur wer viel weiß, kann die richtigen Entscheidungen treffen

Dr. Peter Walde © mapegy GmbH

Am 16. August 1896 machte George Carmack den Fund seines Lebens. Er fand ein kleines, rundliches Ding. Gelbfarben, glänzend, kostbar. Mit seinem Fund löste Carmack das aus, was als Goldrausch vom Klondike River in die Geschichte eingehen sollte. Tausende Goldgräber machten sich auf den Weg nach Kanada, hinein in die tiefste Wildnis.

Peter Walde ist auch eine Art Goldgräber, der modernen Art. Anstatt knietief im eiskalten Klondike River in Kanada zu stehen und mühevoll Sediment zu sieben, sitzt er bequem in einem großen Sitzsack auf dem Boden seines Büros. Vor sich, auf einem kleinen Tischchen, hat er den Laptop aufgeklappt. Das Gold, nach dem Peter Walde gräbt, liegt nicht etwa auf dem Grund eines Flusses. Es liegt in den Weiten des Internets und die Goldwaschpfanne ist eine hochkomplexe Analyse- und Visualisierungssoftware. Mit seinem Unternehmen Mapegy sucht Peter Walde nach globalen Innovationsdaten. „Das ist das Gold, nach dem wir graben“, sagt der 39-Jährige. Dazu gehören beispielsweise Patentanmeldungen, Studien, wissenschaftliche Aufsätze, Presse- und Social-Media-Daten. Diese werden gesammelt und analysiert. Wozu? „In Unternehmen müssen Entscheidungen oft schnell und effektiv getroffen werden. Es geht darum, Expert*innen bei ihren Entscheidungen zu unterstützen“, erklärt Walde, der früher bei VW tätig war, Abteilung Zukunftsforschung.

Nun geht es bei diesen Entscheidungen nicht darum, ob man sein Wasser mit oder ohne Kohlensäure trinkt. Es geht um Entscheidungen, die langfristige Auswirkungen auf ein Unternehmen haben können. Sie können zu Erfolg oder Misserfolg führen, zu Investitionen oder Stellenstreichungen. Um eine sinnvolle Entscheidung treffen zu können – also eine, die nicht allein auf dem berühmten Bauchgefühl beruht – braucht es eine fundierte Grundlage. Man braucht Wissen über Technologien, Trends und die wichtigsten Akteure. Dieses Wissen kann Mapegy mit seiner Analyse- und Visualisierungssoftware zur Verfügung stellen. „Man könnte sagen, wir sind so eine Art Kompass für die Hightech-Welt“, erklärt der gebürtige Bautzener. Über die Mapegy-Datenbank lassen sich beispielsweise 150 Patentämter anzapfen, 6.000 wissenschaftliche Verlagshäuser und 60.000 Medienquellen. Hinzu kommen mehr als eine Million gespeicherte Organisations- und fünf Millionen Experten-Profile.

Fünf Jahre ist die Unternehmensgründung her. Die Idee, mapegy zu gründen, entstand im Bistro des ICE. Damals pendelte Walde noch täglich vom Zoologischen Garten nach Wolfsburg. „Die Ausgründung war schwierig“, erinnert sich Walde. Ursprünglich sollte das Unternehmen ein Teil von VW werden. „So einen großen Konzern kennenzulernen, ist spannend. Aber auf Dauer war das nichts für mich“, erinnert er sich. Er nahm seinen Mut zusammen und fing nochmal bei null an, gründete zusammen mit zwei anderen das Unternehmen, „lernte viel und machte dabei natürlich auch Fehler“. Eines hat er jedoch nie bereut: sich für den Standort Charlottenburg und die Nähe zur Technischen Universität entschieden zu haben. „Das war das Beste, was wir machen konnten.“
Für die einen ist der Klondike River ein Fluss in Kanada. Für andere fließt er direkt durch die City West von Berlin.

Stefanie Paul
Kluge Köpfe 2017